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Works 2005


Drawings with the Magic-Board (since 2003)

Images:

The Magic Board - and 40 drawings
(from more than 80 works)

Das Magic Board - eine Spur
Das Funktionsprinzip des Magic Boards ist sehr einfach: Durch das Drehen von zwei Knöpfen wird ein Stift orthogonal bewegt, der in einer magnetischen Pulverschicht eine Spur hinterlässt. Die Haltbarkeit dieser Zeichnungen ist nur kurz. Durch das Umdrehen und Schütteln des Zeichenbretts wird das Bild wieder gelöscht. Zum größten Teil jedenfalls. Das vergängliche Bild wird an dem Ort, wo es entstand, digital festgehalten und als Piezo Pigment Print auf Papier fixiert. Der Ort der Aufnahme hinterlässt dazu wiederum seine eigene Spur, durch Spiegelungen auf der Oberfläche des Boards.

Mit dem Magic Board kann die gezeichnete Linie nie abgesetzt werden. Selbst wenn sie gelöscht ist, kann man noch rudimentäre Reste der vorhergehenden Zeichnung entdecken. Die alten Linien fließen mit den Bildern aus dem Jetzt ineinander. Mit dem Magic Board, einem Spielzeug aus den 70-ern, verbinden sich Kindheitserinnerungen. Anders aber als bei einer Bleistiftzeichnung bleibt die Stärke der Linie immer gleich. Manche der Zeichnungen erinnern deshalb an Drahtgittermodelle, wie wir sie aus 3D Computer Konstruktionen kennen. Was vorne und was hinten ist, ergibt sich aus der eigenen Vorstellungskraft. Der Prozess wie man mit dem Magic Board zeichnet, erinnert an das surrealistische Konzept vom automatischen Schreiben. Der Vorgang die linke und die rechte Hand genau zu koordinieren, spricht aber dagegen, weil Kontrolle maßgeblich ist. Der Vorgang scheint eher etwas mit der geschickten Bedienung eines primitiven Computerspiels zu tun zu haben.

Das vergängliche Prinzip des Magic Boards erinnert an Freuds Wunderblock, das ein Kohl/Wachs Papier ist:
In der 1925 veröffentlichten "Notiz über den Wunderblock" erläutert Sigmund Freud sehr eindrucksvoll seine Vorstellung von den Systemen Bewußt, Vorbewußt und Wahrnehmungsbe wußtsein. Freud schreibt über den seelischen Apparat, "er ist in unbegrenzter Weise aufnahmefähig für immer neue Wahrnehmungen und schafft doch dauerhafte - wenn auch nicht unveränderliche - Erinnerungsspuren von ihnen. Schon in der "Traumdeutung" vermutet Freud, daß diese ungewöhnliche Fähigkeit auf die Leistung zweier verschiedener Systeme aufzuteilen sei. "Wir besäßen ein System Wahrneh mungsbewußtsein, welches die Wahrnehmung aufnimmt, aber keine Dauerspur von ihnen bewahrt, so daß es sich gegen jede neue Wahrnehmung wie ein unbeschriebenes Blatt verhalten kann. Die Dauerspuren der aufgenommenen Erregungen kämen in dahintergelegenen "Er innerungssystemen" zustande. In "Jenseits des Lustprinzips" fügt er hinzu, "das unerklärliche Phänomen des Bewußtseins entstehe im Wahrnehmungssystem an Stelle der Dauerspuren..."

Da jede Zeichnung zu einer Spur wird. bilden die Zeichnungen mit dem Magic Board auch die Grundlage für eine Vielzahl anderer Projekte.

Stephan Doesinger

 



 

 

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